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Jagdverhalten

 

Jagdverhalten - was ist das?

 

Das Jagdverhalten ist ein Urinstinkt und hat seinen Ursprung im Beutefangverhalten, was das Überleben der Hunde (Wölfe) gesichert hat.
Natürlich benötigen dieses unsere Haushunde heutzutage nicht mehr, aber das Beutefangverhalten ist trotzdem in der Zucht genetisch verankert und gehört je nach Ausprägung zum Hund dazu.

 

Jagdverhalten wird aus den folgenden Verhaltenselementen zusammensetzt:

  • Orientieren: Der Hund hält Ausschau nach Beute und versucht diese über seine verschiedenen Sinnesorgane ausfindig zu machen.
  • Fixieren: Der Hund hat seine Beute gesichtet, seine Körperspannung wird erhöht und er beobachtet seine Beute sehr genau. Bei Vorstehhunden sieht man bei diesem Element oft das offensichtliche Vorstehen mit der angehobenen Pfote.
  • Beschleichen: Nach der endgültigen Ortung der Beute, bewegt sich der Hund sehr langsam und so leise wie möglich mit Blick auf die Beute zu.
  • Hetzen: Beginnt die Beute zu fliehen, läuft der Hund hinterher.
  • Packen: Der Hund packt und trägt die Beute (evtl. wird sie auch geschüttelt). Dieses Verhalten machen wir uns für das Apportieren von Gegenständen zu nutze.
  • (Töten / Zerlegen / Fressen)

 

Sobald ein Hund die Verhaltenskette startet, wird Dopamin ausgeschüttet (= “Glückshormon“  -  Erregung steigt bei jeder Sequenz mehr an), hat der Hund die Beute erwischt (und beginnt sie evtl. zu zerlegen) sinkt die Dopaminausschüttung wieder und Endorphine (entspanntes Wohlgefühl) werden ausgeschüttet. Das Jagdverhalten hat also einen selbstbelohnenden Charakter!
Wir können die Verhaltenskette nur stoppen, wenn wir den Hund gleich am Anfang abfangen können!

Nicht alle (Jagd-)Hunde zeigen alle Sequenzen dieser Verhaltenskette, da sie für bestimmte Zwecke gezüchtet wurden. Bei den meisten domestizierten Hunden ist jeweils nur ein Teil der Jagdsequenz genetisch verankert.

Beim jungen Hund findet die Beuteprägung zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat statt. Wir sollten im 1. Lebensjahr das Verfolgen von „Ersatz-Reizen“ (z.B. Ball spielen mit dem stupiden Werfen – Hinterherlaufen – Werfen – Hinterherlaufen …)  vermeiden, um Jagdverhalten nicht zu fördern.

 

Anti-Jagd-Spiele:

Was genau machen wir und wozu brauchen wir das?

Jagen ist also ein inneres Bedürfnis unserer Hunde, welches sie glücklich macht. Unterdrücken wir dieses Bedürfnis komplett, so ist dies, als würden wir einen Deckel auf einen Topf kochendes Wasser drücken.

Selbstverständlich können wir dem Hund nicht erlauben, zu unkontrollierten Jagdausflügen aufzubrechen, aber wir können kreative Möglichkeiten finden, gemeinsam mit unserem Hund Sequenzen aus dem Jagdverhalten unter kontrollierten und sicheren Bedingungen auszuleben.

Indem wir Belohnungen benennen und unserem Hund ankündigen, können wir das NICHT-Jagen unseres Hundes mit Jagen funktional verstärken. Der Hund darf also sein Bedürfnis zusammen mit seinem Menschen befriedigen.

Belohnungsankündigungen sollten möglichst funktional sein. Das bedeutet, sie sollten dem Verhalten, welches der Hund eigentlich zeigen möchte, möglichst nahe kommen. Will der Hund gerne hetzen, so eignet sich das „Hetzspiel“ hervorragend als Ersatz. Möchte der Hund gerne Beute zerlegen, so können wir ihm seine Belohnung in eine Papiertüte packen, welche wir nach dem Ankündigungssignal „Schreddern“ werfen, so dass er sie greifen, zerlegen, auspacken und fressen darf. Beobachtet der Hund gerne Wild mit den Augen, so belohnen wir ihn mit dem „Lauerspiel“.

 

Belohnungen:

Es ist wichtig, dass wir das Markersignal (Erklärung siehe extra Blogeintrag) nicht nur mit Futter, sondern mit vielen unterschiedlichen Verstärkern verknüpfen, damit unser Hund nicht vorhersehen kann, was er als Belohnung bekommt.

Verstärker (Belohnungen) sind alles, was unseren Hund glücklich macht und was er in diesem Moment gerne haben möchte: Futter, Spiel, Buddeln, Schnüffeln, Sozialkontakt, Baden, Freilauf, etc.
Beispiel: Wir rufen unseren Hund zu uns, markern und schicken ihn zur Belohnung ins Wasser, oder wir lassen unseren Hund einige Meter bei Fuß gehen und lösen dann als Belohnung die Leine für den Freilauf.

 

Statische und dynamische Belohnungsankündigungen

Um bedürfnisgerecht zu belohnen, können wir auch sowohl ruhige als auch dynamische Belohnungsankündigungen benennen.

statische Belohnungsankündigungen sind z.B.
- Wortsignal „Keks“ – Leckerli wird direkt ins Maul gegeben
- Wortsignal „Lauern“ – Lauerspiel
- Wortsignal „Scannen“ oder „Kino“ – euer Hund darf das Wild mit den Augen verfolgen

dynamische Belohnungsankündigungen sind z.B.
- Wortsignal „Fang“ – Keks wird aus der Luft gefangen
- Wortsignal „Hetzen“ oder „Kegeln“ – Leckerli wird über den Boden gekegelt
- Wortsignal „Schnüffeln“ – Hund darf aktiv schnüffeln gehen
- Wortsignal „Buddeln“ – Hund darf aktiv buddeln gehen
- Wortsignal „schreddern“ – Papier wird zerrupft oder eine Eierschachtel zerlegt.

 

Steuerung der Erregungskurve

Mit Hilfe der statischen und dynamischen Belohnungsankündigungen können wir das Erregungsniveau des Hundes beeinflussen.

So können wir unseren Hund nach einem wilden Hetzspiel mit Hilfe einer statischen Belohnungsankündigung wieder aktiv entspannen und Frustration vermeiden.

Nach dem dynamischen Hetzen kündigen wir das ruhigere „Schnüffeln“ an und streuen einige Leckerli auf den Boden. Zum Abschluss geben wir ihm mit „Keks“ noch ein Leckerli direkt in den Mund.

Beobachtet euer Hund gerade einen Hasen und kann sich auf das Angebot zum „Hetzen“ nicht zu euch umwenden, weil er einfach zu aufgeregt ist, geben wir ihm mit dem Ankündigungssignal „Keks“ zuerst einige Kekse direkt in den Mund. Kann er diese annehmen, so haben wir schon einen Fuß in der Tür.
Wir versuchen nun erneut, ihn zum „Hetzen“ aufzufordern.

 

Fazit:

Durch die gemeinsame Aktivität, die für unseren Hund in höchstem Maße selbstbelohnend und befriedigend ist, verknüpft er all die positiven Gefühle auch mit uns. Anstatt die Spaßbremse zu sein, die ihm sein Jagen vermiest, sind wir diejenigen, die ihm den Jagderfolg mit dem Hetzspiel, dem Lauerspiel und dem Scannen ermöglichen. Dies wirkt sich positiv auf eure Bindung aus.

 

Wenn auch Dein Hund eine Passion zum Jagen hat und Du genaueres dazu wissen willst, dann sprich mich gerne einfach an.